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Dag Heinrichowski SJ über Surf&Soul

 

"Viel mehr braucht es im Leben nicht“ – so lautet Judiths (19) Fazit nach einer Woche Surf and Soul. Die Lehramtsstudentin hat sich gemeinsam mit elf anderen jungen Erwachsenen auf eine Woche Surfexerzitien in Zinnowitz auf Usedom eingelassen.

Die Idee, Surfen und igantianischen Exerzitien zu kombinieren, stammt von Esther Göbel, Pastoralreferentin und Gemeindeberaterin im Erzbistum Berlin. Durch Surffreizeiten in der Jugendarbeit ist sie zur leidenschaftlichen Surferin geworden und hat schnell eine Verbindung zu ihrem Glauben entdeckt: „Mit dem Glauben ist es ähnlich wie mit dem Surfen. Es gibt eine Gemeinschaft, die einen unterstützt mit Tipps und Hilfestellungen, aber letztlich steht doch jeder alleine auf dem Brett bzw. in der Beziehung mit Gott.“

Diese Erfahrung und die Beobachtung, dass ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Jugendfreizeiten abends nach dem Tagesabschluss noch in der Stille bleiben, sind der Startpunkt für den Surf-Kurs mit Tiefgang.

 

Einige Teilnehmer waren schon bei den Surffreizeiten dabei und haben miterlebt, wie sich die Jugendreise zu einem Exerzitienformat entwickelt hat. Einer von ihnen ist Marc (23). Er hat sich vor allem angemeldet, weil ihm Surfen Spaß macht; mit Exerzitien hatte er keine Erfahrungen. Am Ende der Woche sagt er: „Wenn man surft, sind die Bedingungen und Widrigkeiten jedes Mal anders und man muss sich daran anpassen. Das Gleiche gilt auch für’s Leben. Jeder Tag ist anders, jeder Tag ist besonders und hat bestimmte Facetten und daran muss man sich anpassen. Sich daran anzupassen ist die Kunst und das lernt man in den Exerzitien.“

Die Struktur der Surfexerzitien ist simpel: morgens ein Impuls zu ignatianischen Themen wie „Unterscheidung der Geister“ und Indifferenz, anschließend Zeit für die persönliche Reflexion in Stille. Begleitet wurde die Stille – die viele an den Strand lockte – von einem persönlichen Logbuch mit Impulsen, Gebeten, Schriftstellen und Platz, um die eigenen Gedanken zu sammeln und zu ordnen.

 

Nach dem Mittagessen dann Aufbruch zum Surf-Kurs, in dem einige Themen vom Vormittag nochmal konkret erfahrbar wurden: Balance finden, Ziele ansteuern... Praktisch, dass Esther Göbel inzwischen selbst Surflehrerin ist.

Nach dem Abendessen dann Hinführungen zum Gebet, Austausch in der Kleingruppe und das Examen, also ein betender Tagesrückblick.

Julius (18) hat im Sommer sein Abitur am Berliner Canisius-Kolleg bestanden und war sich unsicher, welcher Schritt sein nächster sein soll. „Die Exerzitien waren überaus hilfreich. Auf dem Wasser kann man einfach mal den Kopf frei bekommen. Die Impulse und die Stille haben geholfen, die eigenen Gedanken zu ordnen.“, sagt er und betont die Wichtigkeit des abendlichen Austauschs in der Gruppe: „So konnte ich Meinungen und Erfahrungen von anderen in meinen Entscheidungsprozess aufnehmen.“

 

„Man muss die Segel in den unendlichen Wind stellen, dann erst werden wir spüren, welcher Fahrt wir fähig sind“ wird P. Alfred Delp SJ zitiert. Dieses Zitat fasst die Erfahrung von Surf and Soul treffend zusammen. Gott wirkt und lässt uns Fahrt aufnehmen, wenn wir uns auf ihn einlassen und ihm Raum geben.

 

AUTOR:
Dag Heinrichowski SJ (personen/dag-heinrichowski-sj/) 
- geb. 1991 in Hamburg

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